Die Erinnerung an Ost- oder Westpreußen, Schlesien, Hinterpommern, die Deutschbalten, Sudetendeutschen und Donauschwaben gehört sowohl den Familien der Betroffenen als auch den heutigen Bewohnern dieser Regionen. Mit Ende des Kalten Krieges fielen auch die Verbote, sich dieser Geschichte zu stellen. Schon vorher hatte es wissenschaftlichen Austausch gegeben, nun widmen sich ihr Museen und Ausstellungen, teilweise in Kooperation mit Deutschland, und oft voller Begeisterung.
Dabei verläuft das Erinnern jeweils eigen. Polen und Litauen hatten enge Bezüge zum Deutschen Orden oder dem Herzogtum Preußen, so dass für die neuen Bewohner von Masuren, dem Ermland und dem Memelland die ostpreußische Geschichte ein Stück weit auch ihre ist. Für Esten und Letten gehört die Geschichte der Deutschbalten immer auch zu ihrer eigenen. In der Kaliningrader Oblast sind die Brüche besonders stark. Dennoch wird häufig preußisch-russischer Gemeinsamkeiten wie dem Kampf gegen Napoleon gedacht.
Das Gedenken an das deutsche kulturelle Erbe ist immer auch Ausdruck, wie national und selbstbezogen die Gesellschaften bei unseren östlichen Nachbarn, wie auch hierzulande, auf die jeweils eigene Geschichte blicken.
Abbildung: Königin-Luise-Denkmal im Park Jakobsruh in Sowetsk (Tilsit)
Am 6. Juli 2014 wurde in Tilsit /Sowetsk das wiedererrichtete Denkmal für die Königin Luise von Preußen anlässlich der 200-jährigen Feier der Vertreibung Napoleons aus Russland enthüllt. Das acht Meter hohe Original aus Carrarischem Marmor, von Professor Gustav Eberlein 1900 geschaffen, wurde nach dem Zweiten Weltkrieg vollkommen zerstört. Die Rekonstruktion aus speziellem Kunststein wurde in St. Petersburg gefertigt. Wie in Deutschland gilt Königin Luise heute auch in Russland als Symbol für die Widerstandsfähigkeit im Krieg gegen Napoleon.
Bildarchiv Ostpreußen, Foto: Jakow Rosenblum 2014